Die Wirkungsweise der Stosswellen ist nur zum Teil bekannt. Bei mittel- und hochenergetischen Behandlungsformen können Kalk-Konkremente in der Niere oder Verkalkungen in Sehnen und Schleimbeuteln (Bursen) unmittelbar in kleinere Stücke, bisweilen fast bis zu Staub zersetzt werden. Dieser Vorgang wird auch etwa Desintegration genannt.
Eine weitere Wirkung, welche durch Untersuchungen belegt werden können, ist die vermehrte Durchblutung des behandelten Gebietes. Diese zieht eine Verbesserung des Stoffwechsels im entsprechenden Gewebe nach sich. Eine weitere Steigerung dieses Effektes lässt sich durch wiederholte Behandlungen erzielen.
Es gibt aber noch weitere Wirkungen, welche durch den Erfolg einer Behandlung belegt werden. Dennoch sind die einzelnen Wirk-Mechanismen noch nicht in allen Einzelheiten bekannt.
Es gibt aber eine Reihe von Hypothesen, welche den Wirkungsmechanismus zu erklären versuchen:
Durch experimentelle Arbeiten konnte ferner auch gezeigt werden, dass neben den erwünschten Wirkungen der Stosswelle auch unerwünschte Nebenwirkungen auftreten können. Diese sind in ihrer Stärke und Ausprägung abhängig von der Energieflussdichte der Stosswelle.
Nebenwirkungen können in verschiedenen Geweben unterschiedliche Auswirkungen haben.
Bekannt sind von verschiedenen Therapieformen her die Blutergüsse (Hämatome). Nur gerade bei der verzögerten Knochenbruchheilung (Pseudarthrose) ist dieser Effekt erwünscht, da dann gleichzeitig die Knochen-Neubildung angeregt wird.
Besonders stark treten Stosswellen-Wirkungen auf an Grenzflächen zwischen zwei Geweben mit grossem Dichte-Unterschied. Dies ist zwar beim Nierenstein und bei harten Verkalkungen erwünscht. Im Lungengewebe aber, wo ebenfalls grosse Dichteunterschiede zwischen Gewebe und Luft bestehen, führt die Stosswelle zu Zerreissungen des Gewebes. Auch grössere Blutgefässe können zerreissen, was zu grossen Einblutungen ins Gewebe führen kann. Grössere Nerven wiederum können ihre Funktion verlieren, was je nach Nerventyp zu Lähmungen oder Gefühlsstörungen führen kann.
Um diese Nebenwirkungen möglichst klein zu halten, muss man wo möglich technische Massnahmen ergreifen, welche das Nutzen-Risiko-Verhältnis verbessern oder dann Einschränkungen der Indikation festlegen.
Aus technischer Sicht kann die Stosswellen-Quelle so gebaut werden, dass sie eine möglichst grosse Apertur, das heisst einen grossen Oeffnungswinkel der eintreffenden Stosswellen aufweist. Damit ist die Energieflussdichte erst im unmittelbaren Focusbereich so hoch, dass die Nebenwirkungen für das umliegende Gewebe im Rahmen gehalten werden kann.
Aus medizinischer Sicht gibt es eine Reihe von Zonen am Körper, welche sich für die Anwendung der Stosswellentherapie nicht eignen. So darf zum Beispiel kein Lungengewebe, aber auch keine grosse Blutgefäss-Bahn oder kein grosser Nervenstrang in der unmittelbaren Focusregion liegen.

Bild 1: Bei genügend grosser Apertur ist nicht nur der Focus besser definierbar, auch die umliegenden Gewebe werden besser geschont.
7.1.99 BD