Kongressbericht
 

siehe auch: http://www.rheuma.unispital.ch/de/rheumanachrichten/rheumanachrichten_29.pdf

5th Congress of the ISMST, Winterthur

Dr. D. Kyburz, Oberarzt Rheumaklinik

 

Vom 26.6.-29.6.02 fand in Winterthur der 5. Kongress der International Society for Musculoskeletal Shockwave Therapy (ISMST) statt. Wegen der Ereignisse vom 11. September 01 wurde der ursprünglich für Orlando, Florida vorgesehene Kongress kurzfristig nach Winterthur verschoben. In kürzester Zeit musste das lokale Organisationskomittee unter Dr. B. Dubs, gleichzeitig Präsident der ISMST, die Tagung in Winterthur auf die Beine stellen. Trotz des Zeitdrucks gelang es Dr. Dubs und seinen Kollegen den internationalen Besuchern ein reichhaltiges wissenschaftliches Programm mit pannenfreiem Ablauf zu bieten.

 

Die extrakorporale Stosswellentherapie (ESWT) hat sich mittlerweile als nicht-invasive Therapieoption bei diversen rheumatologisch-orthopädischen Krankheitsbildern etabliert (vgl. den Uebersichtsartikel von Dr. R. Stebler in den Rheuma Nachrichten 25-2001). Trotz der zunehmenden Zahl von Berichten über eine gute Wirksamkeit der Stosswellentherapie bei verschiedenen rheumatologisch-orthopädischen Indikationen ist das Wirkprinzip immer noch unklar. Die Resultate von experimentellen Studien wurden in einer speziellen Sitzung am ISMST Kongress präsentiert. Es scheint, dass die Stosswellenbehandlung die Bildung von Superoxidradikalen fördert, was via TGFb zur Stimulierung der Knochenregeneration beitragen könnte (Abstract 57 und Wang et al. J Biol Chem 2002, 77(13):10931-7). Ausserdem werden durch die Stosswellen Neovaskularisationen an der Insertion von Sehnen in den Knochen gefördert, was in Experimenten mit Hunden gezeigt werden konnte (Abstract 19). Zur Erklärung des Effektes von niederenergetischen Stosswellen, welche nicht zu morphologisch fassbaren Veränderungen führen, wird ein modulierender Effekt auf die Nozizeption postuliert, was jedoch umstritten ist (Haake et al. J Orthop Sci 2002, 7(1):97-101).

 

In vielen Präsentationen wurden zumeist gute Resultate für die Hauptindikationen Periarthropathia humeroscapularis (PHS) calcarea, Epicondylopathia humeri radialis und Fasciitis plantaris berichtet. Allerdings waren nur wenige der Studien randomisiert und placebo-kontrolliert. Aufgrund der aktuell vorhandenen Datenlage ist eine Wirksamkeit gegenüber Placebo der ESWT bei PHS calcarea und bei Fasciitis plantaris dokumentiert. Uneinheitlich sind die Resultate bei der Epicondylopathia humeri radialis. Es wurden am Kongress zwei randomisierte doppelblinde, placebokontrollierte Studien präsentiert, wovon die grössere mit 206 Patienten einen signifikanten Therapieeffekt zeigte (Abstracts 42, 44). Ebenfalls unklar ist die Wirksamkeit bei PHS ohne Sehnenverkalkungen. Eine kürzlich erschienene randomisierte doppelblinde kontrollierte Studie fand keinen signifikanten Therapieeffekt (Speed et al. J Bone Joint Surg Br 2002, 84(4):509-12).

Nebst den etablierten Indikationen wurden in einer Reihe von nicht kontrollierten Studien weitere Anwendungsmöglichkeiten für die ESWT untersucht. Unter anderem wurden gute Resultate bei Osteonekrosen im Bereich des Femurkopfs und des Talus berichtet (Abstracts 35, 36), sowie für Tibia-Stressfrakturen bei Athleten (Abstracts 47, 48). Auch bei Osteochondrosis dissecans, Knochencysten und nicht-heilende Frakturen bei Osteogenesis imperfecta wurde über den erfolgreichen Einsatz von Stosswellen in Fallbeschreibungen berichtet.

 

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Nach wie vor bestehen Unklarheiten in Bezug auf die Dosierung der Stosswellen. Es besteht noch kein Konsens über die notwendige Energiedichte, die Anzahl Stosswellen pro Therapiesitzung und die Anzahl Behandlungen. Ein Problem stellt dabei dar, dass die zugelassenen Geräte technisch verschieden sind. Die mit einem Gerät erhaltenen Daten sind nicht automatisch für alle anderen Geräte gültig, zudem sind die zur erfolgreichen Behandlung erforderlichen Energiedichten zwischen den Geräten nicht vergleichbar. Dies hat zur Folge, dass noch viele weitere Studien notwendig sein werden, bis die Behandlungsparameter für eine bestimmte Indikation und ein bestimmtes Gerät festgelegt sind und die Wirksamkeit der ESWT umfassend dokumentiert ist.

 

Zusammenfassend zeigte der 5. Kongress der ISMST, dass sich das noch relativ junge Gebiet der Stosswellenanwendung im Bereich des muskuloskelettalen Systems als nicht-invasive alternative Therapiemethode für bestimmte Indikationen etablieren konnte. Eine Vielzahl von nicht kontrollierten Studien zeigen zudem vielversprechende Resultate der ESWT für diverse andere rheumatologisch-orthopädische Affektionen, was eine Erweiterung des Therapiespektrums der ESWT in der Rheumatologie in Zukunft erwarten lässt. Weitere qualitativ hochstehende Studien werden jedoch notwendig sein um diese Therapieeffekte zu bestätigen.

 

 

 

Dokumentierte Indikationen für ESWT

·                    PHS calcarea

·                    Fasciitis plantaris

·                    Epicondylopathia humeri-radialis

 

Mögliche Indikationen

·                    Epicondylopathia humeri ulnaris

·                    Achillodynie

·                    Patellaspitzensyndrom

·                    Pseudarthrosen

·                    Stressfrakturen

·                    Osteonekrosen (Femurkopfnekrose)

·                    Knochencysten

·                    Osteochondrosis dissecans