Penelope Willi - von Salis
Litzistrasse 12a
8917 Oberlunkhofen
Bundesamt für Sozialversicherungen
z.H. Herrn O. Piller
Effingerstrasse 20
3003 Bern
Oberlunkhofen, 3. Juli 2002
Betreff: Aufnahme der ESWT am Bewegungsapparat in den
Pflichtleistungskatalog der Grundversicherung der Krankenkassen
Sehr geehrter Herr Piller
Ich möchte Ihnen in diesem Brief meine Gedanken und Begründungen zur
Aufnahme der extracorporalen Stosswellentherapie am Bewegungsapparat in
die Grundversicherung der Krankenkassen erläutern.
Bei mir wurde letztes Jahr im Alter von 39 Jahren, nach einigen Jahren mit
mehr oder weniger starken Beschwerden, eine
Kalkschulter (Tendinosis calcarea der Schulter) diagnostiziert. Alle
konservativen Therapieversuche schlugen fehl, die
Schmerzen nahmen weiter zu und die Beweglichkeit war mit der Zeit
sehr stark eingeschränkt. Alltägliche Erledigungen im Haushalt waren zum
Teil nicht mehr möglich. Da ich meine Tätigkeit als Betreuerin von
Schwerstbehinderten nicht mehr ausüben konnte, musste ich im August 2001
zu 100% arbeitsunfähig geschrieben werden. Ausserdem musste ich mein
geliebtes Hobby Gleitschirmfliegen aufgeben.
Ende letzten Jahres hätte ich mich einer Schulteroperation unterziehen
müssen, was eine Vollnarkose und mehrere Tage Spitalaufenthalt mit sich
gebracht hätte.
Mein Hausarzt hat mich auf eine Alternative zur Operation aufmerksam
gemacht, welche schonender und auch deutlich kostengünstiger ist. Mein
Ehemann hat für mich detaillierte Angaben darüber im Internet ausfindig
gemacht. Bei dieser Alternative handelt es sich um die extracorporale
Stosswellentherapie (ESWT).
Der Erfolg der ESWT ist vergleichbar mit der einer Operation, wie mehrere
Studien im In- und Ausland belegen. Nach einer missglückten Operation
besteht aber keine weitere Alternative, die Beschwerden doch noch zu
lindern.
Als auch der Orthopäde, der mich operiert hätte, mir zur ESWT riet,
brauchte es nur noch wenig Überlegung, welche Therapie für mich in Frage
kommt.
Trotz einer negativen Kostengutsprache meiner Krankenkasse, welche auch
keinen Kulanzbeitrag geleistet hat, habe ich mich im Dezember 2001 von
Herrn Dr. B. Dubs, Leiter des ESTOR-Zentrums am Spital Bethanien in Zürich
und Präsident der SGST, behandeln lassen. Nach zwei Sitzungen und einem
halben Jahr Geduld bin ich jetzt beschwerdenfrei und kann den Haushalt
wieder alleine erledigen. Ich kann wieder als Betreuerin arbeiten,
Gleitschirmfliegen und habe meiner Krankenkasse viele Kosten erspart!
Ich bin deshalb aus eigener Erfahrung überzeugt, dass die ambulante ESWT
eine echte Alternative zur Operation darstellt, welche auch als
Pflichtleistung der Kassen eine kleine Möglichkeit bietet, unsere
explosionsartig steigenden Gesundheitskosten einzudämmen. Eine Operation
mit Spitalaufenthalt kommt den Krankenkassen einiges teurer zu stehen.
Ausserdem, und was ich als noch wichtiger erachte, muss sich der Patient
nicht einem Narkoserisiko und einem mehrtägigem Spitalaufenthalt aussetzen
und die Rekonvaleszenzzeit wird deutlich verkürzt.
Weiter könnten auch solche Patienten von ihren starken Schmerzen und ihrer
beträchtlichen Einbusse an Lebensqualität befreit werden, welche aus
alters- oder gesundheitlichen Gründen keine Narkose erhalten dürfen oder
die sich in weniger guten finanziellen Verhältnissen befinden.
Die ambulante ESWT ist also sowohl aus Gesundheits- wie auch aus
Kostengründen eine echte Alternative zur stationären Operation!
Bei den Grundlagen über die Leistungen der sozialen Krankenversicherungen
steht, dass Leistungen, welche von der Grundversicherung übernommen
werden, wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sein müssen. Ich glaube,
dass diese Anforderungen bei der ESWT vollumfänglich gegeben sind. Die
Krankenkassen könnten jährlich beträchtlich Summen einsparen, wenn am
Bewegungsapparat vermehrt anstelle einer Operation eine ESWT durchgeführt
würde.
So wie die Situation im Moment ist, kann sich nur jemand mit
entsprechenden finanziellen Möglichkeiten eine wirkungsvolle und
risikolose Therapie bei einer Kalkschulter leisten. Nach meiner Auffassung
läuft dies aber auf eine Zweiklassenmedizin heraus, was eine
Diskriminierung der gesundheitlich oder finanziell schwächeren Patienten
bedeutet!
Des weiteren habe ich mit Befremden in den Sendungen „Kassensturz“ und „10
vor 10“ des SF DRS vom 11. Juni 2002 gehört, dass die ärztlich
kontrollierte Abgabe von Heroin auf den
1. Juli 2002 in die Grundversicherung aufgenommen wird und dass die Heroin
gestützte Behandlung Drogenabhängiger schon per Anfang 2001 in den
Leistungskatalog aufgenommen worden ist! Ich frage mich dabei, was bei der
Abgabe von Heroin an Süchtige wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sein
soll (Grundlage über die Leistungen der sozialen
Krankenversicherungen)!
Auch das Gesuch des Pharmakonzerns Novartis um Aufnahme von
Nikotinpflastern zur Raucherentwöhnung als Pflichtleistung der
Krankenkassen ist für mich nicht nachvollziehbar.
Auch ich war Raucherin und es gibt viele gute, wirksame und billige Wege,
sich das Rauchen ohne Medikamente abzugewöhnen!
Es gäbe noch viele solche Beispiele von fragwürdigen Behandlungen, die von
den Kassen bezahlt werden, was aber den Rahmen dieses Briefes bei Weitem
sprengen würde!
Da solche doch eher fragwürdige „Therapien“ in den Pflichtleistungskatalog
der Kassen aufgenommen worden sind resp. die Aufnahme in Erwägung gezogen
wird, möchte ich Sie und die ELK bitten, die nachweislich wirksame,
zweckmässige und auch wirtschaftliche ( Kosteneinsparungen ) ESWT als
kassenpflichtige Leistung anzuerkennen.
Vielen Patienten könnte so günstiger, schneller und auch risikolos
geholfen werden. Anderen könnte eine Behandlung so erst ermöglicht werden,
damit sie von ihrem schmerzhaften und behindernden Leiden erlöst werden.
Und zwar ohne dass sie sich noch zusätzlich zu den hohen Kassenprämien
finanziell belasten müssten (was vielen gar nicht möglich ist)!
Es würde mich sehr freuen, wenn ich bald von Ihnen eine Stellungnahme
erhalten und die ESWT in den Leistungskatalog der Grundversicherung
aufgenommen würde!
Mit freundlichen Grüssen
Cc an: - Frau Bundesrätin Ruth Dreifuss, Bern
- Dr. med. B. Dubs, Präsident SGST und Leiter ESTOR-Zentrum, Zürich
- Redaktion Kassensturz, SF DRS, Zürich
- Redaktion Beobachter, Zürich
- Redaktion Facts, Zürich
- Redaktion Sprechstunde, SF DRS, Zürich